Natur erleben im Katinger Watt
Das Katinger Watt wurde grade 25 Jahre alt. Vor dem Bau des Eidersperrwerks war die Eider der letzte große naturnahe Ästuar - eine trichterförmige Flußmündung in ein Meer mit biologischen Besonderheiten durch den Übergang von Salz- zu Süßwasser - an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste.
Vormals gab es besonders an der nördlichen Eiderseite Vorländer mit Inselbildungen (Grüne Insel). Kating Siel verfügte über einen Hafen, der schon auf frühen Karten aufgrund seiner Bedeutung festgehalten war. Dort wo sich heute bester Eiergrog trinken läßt, war bereits damals eine Schankwirtschaft, die "Hafenkneipe" mit Post- und Pferdewechselstation. Die alten Häuser am anderen Ufer, der damals für die Wirtschaft wichtigen Bootsfahrt waren Zoll- und Lagerhäuser.
Die Vorländer auf der südlichen, der Dithmarscher Eiderseite, waren recht schmal gegenüber heute.
Produkt des Sperrwerkes
Das Katinger Watt als heutiges Landgebiet ist direkte folge des Baues des Eidersperrwerks, daß 1973 fertiggestellt wurde.
Ausgehend vom Eidersperrwerk wurde ein Damm bis zu den Vorländern der ehemaligen "Grünen Insel" gebaut. Über 800 ha Flußästuar wurden zu Land. Die "Grüne Insel", neues und altes Vorland, sowie dieses der Flußlandschaft geraubte Land werden als Katinger Watt benannt - aber das ist eben kein Watt mehr.
Nutzen für alle
Allen Seiten wurden Versprechungen zur Nutzung dieses künstlichen Landes gegeben. Vor allem aber sollte das Katinger Watt eine Landschaft für den Tourismus werden. Millionenteuer wurde eine Waldanpflanzung geforstet. Heute absurd wirkende Überlegungen, wie die Aufschüttung eines kleinen Berges mit winterlichem Kunstschnee zum Skifahren für die Saisonverlängerung im Vermietungsgeschäft, wurden unternommen. Pläne zu einer Schlickrutschanlage - Wasserski auf Schlick - im Katinger Priel, verloren sich auch bald. Die Anlage eines Feriendorfes mit 1000 Betten, ein großer Reiterhof stießen auf Widerstand von Anwohnern und Naturschützern und wichtiger, fanden keine Investoren.
Naturschutz
Auch der Naturschutz bekam seine Ecke ab, zwischen Teerleitdamm und Kreisstraße sollte Naturschutz möglich sein. Bis es hierzu wirklich kam, brauchte es fast 20 Jahre und den Wechsel der Landesregierung sowie einen eigenwilligen wiegleich mutigen Umweltminister. Das schmale Handtuch wurde mit der Grünen Insel und den nördlichen Eiderwatten zum Naturschutzgebiet "Grüne Insel und Eiderwatten" zusammengefaßt.
Entsprechend der Rechtsvorschriften, darf der diese beiden Teilräume durchschneidende Leitdamm in der Brutzeit nicht betreten bzw. mit dem Fahrrad befahren werden. Dem Wunsch der Stadt diesen reizvollen Weg zum Eidersperrwerk offen zu halten, kam der Naturschutz mit der Zeitgrenze entgegen und durch die Freigabe für Fußgänger und Radfahrer auf einen Weg unter dem Leitdamm auszuweichen.
Dieses Gebot wird doch tagtäglich gebrochen. Die Stadt Tönning bemüht sich nicht um die Einhaltung des Rechtes und der Abmachung. An die Gäste möchte ich appelieren, nicht um des Rechtes willen, sondern für den Erfolg bei der Kinderaufzucht der Vögel sich doch daran zu halten.
Die Mitarbeiter des Naturschutzbundes (NABU), die heute die Eidernaturschutzgebiete betreuen, werden Ihnen gern ausführlich und verständlich erklären, wie die Wegnutzung auf dem Deich dem Bruterfolg schadet. Hier oder direkt im NABU Naturinformationszentrum an der Nordwestkante des Katinger Wattes dürfen Sie fragen.






